Richte deine Übung ...

Dogen Zenji - GAKUDÔYÔJINSHÛ

9. Richte deine Übung nach dem Weg

 

Wer sich zum Erlernen des Weges fest entschlossen hat, muss zunächst erkennen, ob er sich richtig nach dem Weg richtet oder nicht.

Als Shakyamuni Buddha unter dem Bodhi-Baum saß, erblickte er plötzlich den Morgenstern und erwachte auf der Stelle zum Weg des unübertroffenen Gefährts. Dieser Weg, zu dem er erwachte, geht über die Kräfte der Hörenden und Allein-Erwachten. Nur ein Buddha vermag, von selbst zu ihm zu erwachen, und Buddhas geben ihn bis zum heutigen Tag ununterbrochen an Buddhas weiter. Wie könnte einer, der auf diese Weise zum Erwachen gelangt ist, kein Buddha sein?

Sich nach dem Weg richten bedeutet, den Abgrund des Buddhaweges zu ergründen und sich ganz mit den Verhältnissen des Buddhaweges vertraut zu machen. Der Buddhaweg liegt unter jedermanns

Füßen. Weil dir der Weg im Weg ist, wird dieser Ort ganz klar, weil dir das Erwachen im Weg ist, wirst du ganz zu dem, der du bist.

Auch wenn dein Begreifen vollkommen ist, fällst du dennoch in halbes Erwachen. Auf diese Weise richtest du dich nach dem Weg.(1)

Die Leute, die heutzutage den Weg üben, sind sich noch nicht im Klaren, wohin er führt und wo er versperrt ist. Mit Gewalt suchen sie nach Einblick und Erfahrung – wer würde da nicht in die Irre gehen?

Wie einer, der seinen Vater verlässt und davonläuft, seine Schätze fortwirft und in der Welt umherirrt. Obgleich er das einzige Kind aus einem reichen Haus ist, leistet er Dreckarbeit in der Fremde. Es geschieht vollkommen zu Recht.

Wer den Weg übt, will, dass ihm der Weg in den Weg kommt. Wem der Weg in den Weg kommt, dessen Spuren des Erwachens verlöschen. Wer den Buddhaweg praktiziert, der muss zuerst an den

Buddhaweg glauben. Wer an den Buddhaweg glaubt, muss daran glauben, dass er sich von Anfang an inmitten des Weges befindet, ohne jegliches Hindernis, ohne täuschende Gedanken, ohne sich im Kreis zu drehen, ohne etwas zuviel oder zuwenig, ohne irgendein Fehl. Auf diese Weise Glauben wachzurufen und den Weg zu klären, um ihn dadurch zu üben, stellt die Grundlage des Erlernens des Weges dar.

Die Wurzel der Gedanken durchzusitzen und sie nicht in die Richtung des Erkennens und Verstehens neigen zu lassen sind Kunstgriffe, die sich eignen, um Anfänger einzuführen. Die zweite Stufe besteht

darin, anschließend Körper und Geist abfallen zu lassen und Irre und Erwachen loszulassen. Doch es gibt wohl nichts Schwierigeres als einen zu finden, der daran glaubt, dass er sich auf dem Buddhaweg

befindet. Wer wirklich daran glaubt, dass er sich auf dem Weg befindet, versteht von selbst, wohin der große Weg führt und wo er versperrt ist, und er erkennt die Ursache von Irre und Erwachen.

Auch du solltest versuchen, die Wurzel der Gedanken zu durchsitzen.

In acht oder neun von zehn Fällen wirst du auf einmal des Weges gewahr werden.

 

(1) Diese Sätze klingen paradox. Gemeint ist, dass uns Zazen auf uns selbst zurückwirft. Gewöhnlich rennen wir uns selbst davon und den Dingen in der Welt hinterher. Wenn uns Zazen den Weg verstellt, ermöglicht es uns damit umgekehrt, zu uns selbst zurückzukehren und ganz eins im Augenblick zu sein. Doch dieses Eins-Sein lässt sich nicht in Begriffe fassen, denn dadurch entfernen wir uns aus der lebendigen Wirklichkeit des Augenblicks.

10 Nimm es auf der Stelle auf

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